Freitag, 18. September 2015

der deutsche Arbeitsmarkt

Lohndumping Ahoi – Südeuropäer stürmen deutschen Arbeitsmarkt Wissen Sie eigentlich woran sich Großunternehmer und Aktionäre derzeit am meisten erfreuen? Am Geschäftsklimaindex! Dieser Indikator stieg nämlich im August bereits zum vierten Mal in Folge und das erfreut die Herren in den Chefetagen deutscher Unternehmer. Der Arbeitsmarkt brummt und die Geschäftsaussichten sehen gut aus. „Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Kein Wunder; ist doch der Faktor Arbeit zurzeit so billig wie selten zuvor zu haben. Minijobs, Leiharbeit und Niedriglöhne sind sozusagen wie geschaffen, oder sogar extra für steigende Geschäftsklimaindexe geschaffen. Vor einigen hundert Jahren gab es zwar eine noch bessere Variante, den champagnergewöhnten oberen Zehntausend den Reichtum zu mehren, allerdings sind Frondienste heutzutage nicht mehr Gesellschaftsfähig. Deutschland zahlt besonders häufig Niedriglöhne Frondienste sind aber auch nicht mehr unbedingt notwendig. Ist es doch in globalisierten Zeiten ein leichtes in Billiglohnländern zu produzieren, oder durch trickreiche Werkverträge auf deutschem Boden zu rumänischen Konditionen zu produzieren. Der einfachste Weg allerdings auch dem deutschen Arbeitnehmer einen Job für 9, 7 oder teilweise auch 4 Euro Stundenlohn schmackhaft zu machen ist es, den Arbeitsmarkt mit billigen Arbeitskräften zu Fluten. Wozu haben wir schließlich die EU geschaffen? Wobei ich den „kleinen Mann“ aus dem „Wir“ gerne ausschließe, denn was hat der schon von der EU außer der ständigen Gefahr von Arbeitslosigkeit, Lohndruck und Altersarmut. Südeuropäer stürmen deutschen Arbeitsmarkt Bereits heute liegt die statistische Durchschnittsrente nur noch bei rund 700 Euro (West), bzw. bei 826 Euro (Ost). Hierzu sind aber auch 45 Jahre Beitragszahlung notwendig. Wer weniger Jahre einzahlt, bekommt auch weniger. Wie sich der Standard- vom Durchschnittsrentner unterscheidet Wenn es nach der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geht, wird es zukünftig sogar vermehrt Hartz IV-Rentner geben. Sie hat, so glaubt sie, das Rad neu erfunden indem sie das Renteneintrittsalter nur allzu gern auf 67 erhöhen würde. Kann sie ja leicht machen, sie ist ja nicht von Armut bedroht. Ab 60 sieht es nämlich ziemlich schlecht mit Jobs aus, wie sich das auf die kommende Rente auswirkt kann sich jeder selbst ausmalen. altersvorsorge-rente-betriebsrente-rentenbeitrag Von der Leyen, die Schönfärberin Die Durchschnittspension für Beamte liegt nach einer Studie der Universität Freiburg allerdings bei rund 2.500 Euro. Ist das gerecht? Über sieben Millionen Menschen arbeiten mittlerweile in einem Minijob, dürfen nächstes Jahr maximal 450 Euro im Monat dazu verdienen. Nur: Festangestellte werden aus Minijobbern kaum, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Minijob-Masche: Maximale Ausbeutung – minimaler Lohn Für Unternehmer bietet der Minijob nämlich in erster Linie vielfache Möglichkeiten zu sparen. Und genau das ist das Problem. So nutzen Unternehmen die Regelung, um ohnehin schlecht bezahlte Minijobber noch zusätzlich auszubeuten: Urlaub wird nicht gewährt, bei Krankheit droht Kündigung, Mindestlöhne werden durch Akkordvereinbarungen umgangen und Tarifverträge ausgehebelt. Gerade weil Minijobs für Unternehmen weniger Bürokratie bedeuten und auch Kündigungen einfacher sind, werden massenhaft Vollzeitstellen umgewandelt und damit die eigentlich gute Idee des Minijobs ad absurdum geführt. Auch die Zahl der Leiharbeiter ist zuletzt auf rund eine Million gestiegen. Leiharbeit erfreut sich zunehmender Beliebtheit – insbesondere bei den Arbeitgebern, versteht sich. Gleiche Arbeit für weniger Lohn ist doch eine prima Sache für Geschäftsklimaindexe. Wird natürlich auch gerne mal genutzt, um Stammbelegschaften durch Leiharbeiter zu ersetzen, die zu schlechteren Konditionen arbeiten. Der Arbeitsmarkt brummt – dank Minijobs und Leiharbeit. Generell arbeitet knapp ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland derzeit für einen Niedriglohn. Das heißt für einen Bruttostundenlohn von unter 9,54 Euro im Durchschnitt. Aber das ist noch nicht mal unterste Grenze: Die Gebäudereinigung gehört zu jenen Branchen, in denen es bereits seit längerem einen gesetzlichen Mindestlohn gibt. Die insgesamt etwa eine Million Beschäftigten erhalten in den alten Ländern mindestens neun Euro, in Ostdeutschland 7,56 Euro. Friseure arbeiten hingegen auch schon mal für unter vier Euro die Stunde. Viele von diesen Geringverdienern müssen sogar trotz Vollzeitstelle Hartz IV beantragen, weil der Monatslohn nicht an das garantierte Existenzminimum heranreicht. Wenn man sich vorstellt, dass man trotz täglicher Arbeit, nicht mal seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, während der Chef sich seinen dritten Sportwagen aus Stuttgart innerhalb der letzten vier Jahre kauft, müsste einem die Galle überlaufen. arm.trotz_.arbeit Jeder vierte Deutsche muss für Niedriglohn arbeiten Rund acht Millionen Menschen schuften derzeit bereits in Deutschland als Niedriglöhner, oft zu unwürdigen Bedingungen. Die meisten verhalten sich still – aus Angst. Diese Angst wird in den kommenden Jahren noch steigen. Dem verlogenen Ruf der Wirtschaft nach sog. Fachkräften wird die geschmierte und korrupte Regierung gerne folgen. Partizipiert sie doch nicht zuletzt selbst am ständigen Nachschub billiger Menschenmassen. Fotos: dpa